2006

Steinerner Saal, Landhaus Graz
(Hanns Koren Bedenkjahr)

Ein Leben in 10 Kisten – gewogene Information eines Lebens | Landhaus Graz | 2006
  • Gewogene Information eines Lebens
    von Werner Fenz

    Die Formen des kollektiven Erinnerns machen nur Sinn als ins Bild, in die Handlung gesetzter Ausdruck der Zeit, in der erinnert werden will. Mit der Verwendung überkommener Muster und Schemata fände Robert Musils bereits 1936 geäußertes Unbehagen, dass Denkmäler gegen Aufmerksamkeit imprägniert und daher unsichtbar seien, ihre perpetuierte Bestätigung.

    Nicht erst die jüngere und jüngste KünstlerInnen-Generation arbeitet auch auf der Ebene des Gedenkens an reflexiven und die Aktivität des Publikums mit einbeziehenden Zeichensetzungen. Diese erweitern das traditionelle künstlerische Vokabular um andere Sprachformen, die in einem immer wieder von neuem eingeleiteten Prozess der Auseinandersetzung eingeübt werden wollen.

    Wenn Wolfgang Becksteiner an den bedeutenden steirischen Kulturpolitiker Hanns Koren erinnert, dann rückt er mit dem reflektierten Begriff des Archivs einen wesentlichen Eckpfeiler der Informationsgesellschaft in den Mittelpunkt seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Entscheidend dabei ist, dass die gewählte Form der Installation sich nicht auf ein vordergründiges, statisches Schema herunter brechen lässt. So stehen die als Speicher im Raum angeordneten Kisten für jene inhaltliche und zeitliche Schnittstelle, an der die am Ort der Archivierung in einzelnen Kapiteln gewogene Information in ein Abstraktum übergeführt wird: Die Leere der präsentierten realen Behältnisse wird über den konkreten Anlass hinaus zu einem virtuellen Stellvertreter dessen, was uns tagtäglich an Nachrichten und Informationen erreicht oder von uns

Wolfgang Becksteiners „innere Werte“ sind – vielleicht am ehesten mit Sol LeWitts vergrabenen Kubus vergleichbar – zwar noch vorhanden, jedoch auch nur mehr auf gedanklicher Ebene. Konkret ist nur die

Objekthaftigkeit, die sich in Becksteiners Fall aus dem Verpackungsmaterial ergibt. Damit ist diese Arbeit auch sehr nahe an der Tradition der „Empaquetage“ von Man Ray, der 1920 für sein

surrealistisches Objekt „Das Rätsel des Isidore Ducasse“ eine Nähmaschine mit schwarzem Tuch verhüllt und mit Schnüren zugebunden hat; über die „Nouveaux Realistes“, die unterschiedliche Dinge in Akkumulationen

zusammengefasst und verpackt haben, bis zu Christo, der sogar Gebäude und Landstriche verpackte bzw. akzentuierte, gibt es eine lange Entwicklungslinie. Während bei den genannten Beispielen oft der verpackte Gegenstand sichtbar bleibt, wird bei Becksteiner maximal das Volumen des darin befindlichen Gegenstandes nachvollziehbar.

Ein Leben in 10 Kisten – gewogene Information eines Lebens | Landhaus Graz | 2006
Ein Leben in 10 Kisten – gewogene Information eines Lebens | Landhaus Graz | 2006
Ein Leben in 10 Kisten – gewogene Information eines Lebens | Landhaus Graz | 2006
Ein Leben in 10 Kisten – gewogene Information eines Lebens | Landhaus Graz | 2006
Ein Leben in 10 Kisten – gewogene Information eines Lebens | Landhaus Graz | 2006