ARTVICTIM [VERSION 2010]

Video und Toninstallation Plot auf LKW-Plane

Wolfgang Becksteiner: Die Module der Kunst und ihre Gesichter

von Werner Fenz

Erst anteilsmäßig richtig zusammengesetzt funktioniert das aus Modulen bestehende System Kunst. Das ist keine neue Erkenntnis, haben sich doch spätestens die Kontextkunst der frühen 1990er Jahre und die damit einher

laufenden Diskurse mit dieser Situation in vielfältiger Weise auseinandergesetzt. Wolfgang Becksteiner aber greift das Thema auf einer anderen als der bisher geläufigen Ebene auf. Streng genommen wählt er den Weg der Symbole (und der Attribute), zweigt von diesem sofort wieder ab, indem er

VertreterInnen des jeweiligen Moduls porträtiert: Nicht in der Form, dass man die Verdienste des/der Einen oder des/der Anderen geradezu von den Augen ablesen kann, wie wir dies von Zeit zu Zeit in hohem Maß aus den bebilderten Interviews in Kunstzeitschriften tun können (sollen), sondern über die fotografisch festgehaltene Präsenz als GruppenvertrerIn.

In der durch Kleidung oder Bezeichnung verbildlichten Zugehörigkeit steckt jenes zwischen Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung angelegte opulente Maß des künstlerischen Konzepts. Homogenität in einem heterogenen Feld soll ebenso vorgetäuscht werden wie „Teamgeist“ unter ganz unterschiedlich bestimmten taktischen Voraussetzungen. Im konstruierten Viereck, das sinnliche Bilder der Selbstrepräsentation vermittelt, finden sich neben den

gefesselten Künstlern die dealenden Galeristen, die seriöse Sammlerkundschaft und, last but not least, die als wissenschaftliche Laboranten verkleideten Kuratoren. Mit dieser Klassifikation, die August Sanders Menschen des 20. Jahrhunderts komprimiert und konzentriert, zitiert Becksteiner nicht zuletzt die im Alltag aktuell kursierende Bedeutung der

Corporate Identity und verleiht ihr mit den ausgewählten und abgelichteten Vertretern der fokussierten Module ein Gesicht.

siehe: press release MAK NITE©

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